Vom Schenken

 

Schenke groß oder klein,

aber immer gediegen.

Wenn die Bedachten die Gabe wiegen,

sei dein Gewissen rein.

 

Schenke herzlich und frei.

Schenke dabei,

was in dir wohnt

an Meinung, Geschmack und Humor,

so dass die eigene Freude zuvor

dich reichlich belohnt.

 

Schenke mit Geist ohne List.

Sei eingedenk,

dass dein Geschenk -

Du selber bist.

 

Joachim Ringelnatz

1883-1934

Die Nacht vor dem Heiligabend

 

 Die Nacht vor dem heiligen Abend,

da liegen die Kinder im Traum.

Sie träumen von schönen Sachen

und von dem Weihnachtsbaum.

 

Und während sie schlafen und träumen

wird es am Himmel klar

 und durch den Himmel fliegen

drei Englein wunderbar.

 Sie tragen ein holdes Kindlein,

das ist der heilige Christ.

Es ist so fromm und freundlich

wie keins auf Erden ist.

 

Und während es über die Dächer

still durch den Himmel fliegt,

schaut es in jedes Bettlein,

wo nur ein Kindlein liegt.

 

Und freut sich über alle,

die fromm und freundlich sind,

denn solche liebt von Herzen

das himmlische Kind.

 

Heut schlafen noch die Kinder

und sehen es nur im Traum,

doch morgen tanzen und springen sie

um den Weihnachtsbaum.

 

Robert Reinick

1805-1852